Leitsatz-Sammlung der BBV-Rechtskammer

Auf dieser Seite werden in loser Folge sogenannte Leitsätze, veröffentlicht. Ähnlich wie im juristischen Bereich, kann somit eine einheitliche Sportgerichtsbarkeit innerhalb eines Verbandes erzielt werden. Es ist jedoch immer zu prüfen, ob die Entscheidung auf den jeweils zu entscheidenden Fall repliziert werden kann. Ferner sind dabei auch die Fortschreibung der Bestimmungen und Änderungen der Ordnungen zu beachten.

Länger zurückliegende Leitsätze & Entscheidungen erhalten Sie auf Anfrage bei der BBV-Geschäftsstelle.

 

BBV-RK Entscheidung vom 28.12.18, rkr., 32-1201.ae
1.
Wenn eine Spielleiter zwei Entscheidungen trifft aber nur gegen eine Entscheidung Berufung eingelegt wird, dann wird die andere Entscheidung selbst dann rechtskräftig, wenn in der ersten Entscheidung zu Gunsten entschieden wird.

2. Wenn ein Spielleiter nach Anhörung zwei Entscheidungen über Spielwertungen trifft, dann sind allen Vereinen, die es betrifft, die Entscheidungen zuzustellen.

3. Ein Spieler mit einem vorläufigen Teilnehmerausweis (vTA) kann sich ausschließlich nur durch ein offizielles Lichtbilddokument identifizieren. Die SR müssen daher notieren: Namen, Vornamen, Geburtsdatum und -wenn vorhanden – die Adresse des Spielers.

4. Der Einsatz eines Spielers mit einem vTA ohne offizielles Lichtbilddokument führt zum Spielverlust, § 34 Abs. 5 DBB-SO.

5. Grundsätzlich beginnt eine Teilnahmeberechtigung bereits mit dem Eingang des Antrags eines Vereins beim DBB. Dies setzt allerdings voraus, dass der Antrag sowohl vollständig als auch richtig gestellt wurde. Das falsche Geburtsdatum im Antrag lässt keine Identifikation des Spieles zu, so dass keine wirksame Teilnahmeberechtigung vorliegt.

6. Der Antrag eines Spielers auf Freigabe ist eine einseitige, empfangsbedürftige, bedingungsfeindliche Erklärung. Ob es genügt, wenn der Spieler seinen Antrag nur gegenüber seinem Trainer kundtut und dies erst, wenn seine Knieverletzung ausgeheilt ist, muss nicht entschieden werden, wenn unstreitig keine Freigabe erfolgte. Eine rückwirkende Freigabe gibt es nicht.

7. Wenn ein Verein einen Fehler macht, dann wird er dafür bestraft; macht der Verein denselben Fehler nochmals, dann wir er zweimal dafür bestraft, etc. Dies ist der Grundsatz. Davon gibt es eine Ausnahme dann, wenn der Verein im zweiten und in den folgenden Spielen Vertrauensschutz genießt. Aber wie jede Ausnahme, ist auch diese eng auszulegen. Hinzu kommt, dass auch der Spielpartner ebenfalls Vertrauensschutz genießt, nämlich darin, dass der Spielleiter
auf ihn aufpasst über alles, was der Spielpartner nicht weiß oder nicht wissen kann (hier: fehlende Teilnahmeberechtigung).

8. Vertrauensschutz setzt voraus, dass es dem Spielleiter objektiv und subjektiv möglich war, einen Fehler zu erkennen. Außerdem muss genügend Zeit verbleiben, einen Verein rechtzeitig vor seinem zweiten Spiel auf dessen Fehler aufmerksam zu machen. Rechtzeitig bedeutet gemäß DBB-Rechtsausschussentscheidung 4/88 vom 03.06.88 von Wochenende zu Wochenende.

9. Die Entscheidung, einen Verein wegen fehlender Teilnahmeberechtigung strafzuwerten, setzt kein Verschulden des Vereins voraus, § 38 Abs. 1 g) der DBB-SO. Kommt jedoch Verschulden hinzu, erfolgt auch eine zusätzliche Geldstrafe, § 38 Abs. 4 DBB-SO.

13.11.2018, RLSO-Rechtsausschuss v. 13.11.18, rkr., 32-1012.ae, RLSO-RA

1. In der Situation Aussage eines Spielers gegen Aussage eines SR ist die Motivlage beider Betroffener zur berücksichtigen. Das Rekursgericht der Schweizer Nationalliga führt dazu aus (SpuRT 199, 172 ff.):”Im Beweisverfahren vor dem Rekursgericht genießen Schieds- und Linienrichter erhöhte Glaubwürdigkeit. Sie sind neutrale und unparteiische Leiter des Spiels, ohne jedes Interesse am resultatmäßigen Ausgang der Partie. Aus diesem Grund können sie auch kein Interesse daran haben, ein Spiel falsch zu rapponieren oder als Zeuge falsch auszusagen. Im Gegensatz zu Aussagen von Spielern und Funktionären, welche von Parteiinteressen mitgeprägt werden, sind diejenigen von Schieds- und Linienrichtern stets als unvoreingenommen zu betrachten.”

2. Bei Strafen, die als Höchststrafe eine lebenslängliche Sperre vorsehen, gibt es keinen Mittelwert. Deshalb ist bei einer Tätlichkeit danach zu bestrafen aus Sicht des Täters nach Dauer, Art und Schwere der Körperverletzung und aus der Sicht des Opfers nach Dauer, Art und Schwere der Beeinträchtigung des physischen und psychischen Wohlbefindens.

02.03.2018 | BBV-RK Revisionsentscheidung Az. 32-0208 | BBV-RK

1. Eine Tätlichkeit kann nie mit Notwehr oder Nothilfe entschuldigt werden. Jede Tätlichkeit wird als Tätlichkeit bestraft, ebenso auch ein Revanchefoul.

2. Es spricht zu Gunsten eines Spielers, der sich nach dem Spiel für seine Tätlichkeit entschuldigt. Wenn sich ein Spieler nicht entschuldigt, geht dies nicht zu seinen Lasten.

3. Es ist einer Spielleitung untersagt, in seiner Entscheidung kritisch SR-Tatsachenentscheidungen zu kommentieren.

20.02.2018 | BBV-RK Revisionsentscheidung Az. 32-0122ae | BBV-RK

1. Es ist eine Tatsachentscheidung der SR, wenn sie ein Spiel NICHT abbrechen. Daher ist der Einwand, die SR hätten ein Spiel abbrechen müssen und deshalb sei die Heimmannschaft strafzuwerten, ohne Bedeutung.

2. Ebenso sind es SR-Tatsachenentscheidungen, wenn sie auf SR-Auszeit entscheiden (vgl. Art. 18.2.8 der FIBA-Regeln sowie das offizielle SR-Handzeichen Nr. 1) sowie die Dauer der SR-Auszeit. Gegen beides ist kein Protest möglich, allenfalls wegen des Grundes des SR-Auszeit (hier: 25 Minuten Versuch, den Ausfall der elektrischen Anzeigentafel zu beheben).

3. Ein Protestführer muss darlegen, warum nun gerade er – und nur er – von einem Vorkommnis wesentlich beeinträchtigt wurde. Hingegen sind bei einem Ausfall der elektrischen Anzeige beide Mannschaften gleichermaßen betroffen.

29.05.2017 | BBV-RK Revisionsentscheidung Az. 31-0503.a | BBV-RK

1. Mit dem Schlusspfiff endet die Möglichkeit der SR, Foulstrafen auszusprechen, es ist dann nur noch ein Bericht an die Spielleitung möglich.

2. Ein Bericht über einen Vorfall nach dem Schlusspfiff hat nur, aber immer dann zu erfolgen, wenn dieser Vorfall, wäre er während des Spiel erfolgt, zu einem disqualifizierenden Foul geführt hätte.

3. Ein solcher Bericht der SR ist wie eine Tatsachenentscheidung zu bewerten. Daher ist es dem Spielleiter oder einer nachfolgenden Instanz verwehrt, den berichteten Vorfall nur als technisches Foul abzubewerten. Im Zweifel sind die SR als Zeugen anzuhören, so jetzt auch der Bundesgerichtshof mit Beschluss vom 07.11.2018.

4. Wer “Teilnehmer am Spiel” ist, ergibt sich aus der Aufzählung in § 5 der DBB-Spielordnung. Die Aufzählung ist jedoch nicht abschließend, wie sich dort aus dem Wort “insbesondere ” ergibt. So fallen etwa auch Hallensprecher, SR-Betreuer und andere Personen mit offiziellen Aufgaben darunter.”

03.05.2017 | BBV-RK vom 03.05.2017 Az. 31 – 0207.ae, r.kr. | BBV-RK

1. Bis 30 Minuten nach dem angesetzten Spielbeginn müssen alle Teilnehmer eines Spiels eine Wartezeit abwarten, etwa wenn beim Einspielen eine Korbanlage defekt wird, wobei alleine die Uhr des 1. SRs maßgeblich ist, § 37 III DBB-SO.

2. Bricht hingegen während eines Spiels eine Korbanlage, so gilt hierfür eine “angemessene Zeit”, 46-G der Basketball-Regelinterpretation 2017.

3. Bei einem Antrag auf Spielverlust, § 37 I DBB-SO, müssen die SR nur die Uhrzeit und eine kurze Begründung notieren. Ob der Antrag rechtzeitig und begründet war, entscheidet sodann die Spielleitung.

4. Eine Korbanlage, die durch einen Spieler defekt wird, stellt grundsätzlich keinen Fall höherer Gewalt dar, unabhängig davon, ob die SR dafür ein technisches Foul verhängt haben oder nicht.

5. Nach § 35 DBB-SO und Art. 46.13 der FIBA-Regeln bestimmt der 1. SR,

– ob in einer zugelassenen Halle nicht gespielt wird (es tropft in die Halle; der Boden ist glatt, etc)

– ob in einer nicht zugelassenen Halle gespielt wird. Dabei ist der SR nicht an die Zulassungsvoraussetzungen für Spielhallen in dieser Liga gebunden; dies gilt auch für den Abstand Grundlinie – Wand.

6. Wenn es in einer Ausschreibung heißt, dass Ersatzbretter und Ersatzkörbe vorgehalten werden müssen, dann sind diese im Bedarfsfall zu montieren (a.A. WBV-RA 05/2016). Dies ergibt sich bereits aus Art. 1 der FIBA-Regeln, wonach eine Basketballspiel auf zwei Korbanlagen auszutragen ist.

7. Wenn eine Spielleitung auf Spielwiederholung/Neuansetzung entscheidet, dann muss sie zwei Kostenentscheidungen treffen: zum einen für die Entscheidung als solche gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 der DBB-Rechtsordnung, und zum anderen über das ausgefallene Spiel, § 38 II DBB-SO.