Carsten Tadda im DBB-Interview

30.08.2018   12:00 Uhr

Die zweite Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft 2019 in China steht kurz bevor. Mit sechs Siegen aus sechs Spielen könnte die Ausgangslage für die deutsche Nationalmannschaft besser nicht sein. Einer von sieben Spielern, der bei allen bisherigen Qualifikationsspielen dabei war, ist Routinier Karsten Tadda. Im Interview spricht der gebürtige Oberfranke über seine erste Saison bei den Baskets Oldenburg, die bevorstehenden Aufgaben mit der Nationalmannschaft und die Entwicklung des deutschen Basketballs.

Hallo Karsten, vergangenen Sommer bist du von rathiopharm Ulm zu den EWE Baskets Oldenburg gewechselt. Wie zufrieden bist du mit der ersten Saison bei deinem neuen Verein?
Ich denke insgesamt können wir zufrieden sein. Wir hatten zwar ein paar Schwierigkeiten, da wir in der Saison des Öfteren verletzte Spieler kompensieren mussten und nie wirklich als komplette Einheit zusammen trainieren konnten. Gerade deshalb können wir als Team mit den Resultaten doch sehr zufrieden sein.

Für dich als Franke ist Oldenburg deine erste Station im hohen Norden Deutschlands. Fühlst du dich bereits wohl in deiner neuen Umgebung und hast du einen besonderen Bezug zu Vechta, dem Ort des bevorstehenden Nationalmannschaftslehrgangs?
Ja, ich fühle mich wohl hier. Der Familie geht es gut, der Verein kümmert sich um uns und ich wurde in der Mannschaft gut aufgenommen. Zu Vechta habe ich noch keinen wirklichen Bezug. Ich habe bisher noch keine große Rundreise im hohen Norden gemacht, aber Vechta ist ja eigentlich nicht wirklich weit weg. Einmal war ich dort, als wir im Rasta-Dome Champions-League gespielt haben.

Du gehörst zum siebenköpfigen Kern von Spielern, der bisher alle sechs Qualifikationsspiele bestritten hat. Wachst ihr als kleine Gruppe besonders zusammen und wie funktioniert die Integration der weiteren Spieler?
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass wir als Grüppchen besonders zusammenwachsen. Natürlich versteht man sich gut und wir freuen uns alle wieder zusammenspielen zu können, aber das ist mit jedem anderen Spieler der dazukommt eigentlich genauso. Es gibt keinen der da außen vor bleibt, sondern wir kommen alle gut miteinander klar. Wenn es auf Grund von Verletzungen einige Absagen gibt und so neue Spieler zum Team dazu stoßen, freut sich auch jeder darauf mit den neuen Spielern zusammen zu spielen. Die meisten Jungs kennt man schließlich auch über die Jahre hinweg, weshalb ihre Integration in die Mannschaft nicht schwer fällt.

Im November wirst du 30 Jahre alt. Damit bist du der älteste Spieler im Kader. Kommt dir als Routinier im Team eine besondere Rolle zu?
Nein, ich fühle mich noch nicht wie 30. Zwar habe ich natürlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel und konnte auch reichlich Erfahrung sammeln, trotz alledem bin ich aber ein ganz „normaler“ Teil der Mannschaft. Natürlich probiere ich aber auch etwas von meiner Erfahrung an junge Spielern weiterzugeben, damit wir uns als Mannschaft weiterentwickeln.

Bevor die zweite Qualifikationsrunde losgeht, bestreitet ihr den VTG Supercup in Hamburg. Wie schätzt du die Gegner ein und welchen Stellenwert hat das Turnier für die Mannschaft?
Die Gegner schätze ich sehr stark ein. Es sind dieses Jahr wieder hochkarätige Mannschaften beim VTG Supercup dabei. Es ist natürlich schön die Möglichkeit zu haben, gegen Top-Gegner Testspiele zu absolvieren, bevor die zweite Qualifikationsrunde startet. Ich denke während des VTG Supercups können wir als Mannschaft noch etwas enger zusammenrücken und vielleicht auch das eine oder andere ausprobieren. Solche Turniere können der Entwicklung unseres Teams sehr helfen.

Die Ausgangslage nach der ersten WM-Qualifikationsrunde ist denkbar gut. Was sind deiner Meinung nach nun die Schlüsselspiele, die gewonnen werden müssen, damit die Qualifikation gelingt?
Im Prinzip geht es gleich los mit den Spielen gegen Estland und Israel. Diese beiden Spiele müssen wir in jedem Fall gewinnen, um der WM noch ein Stück näher zu kommen. Letztendlich wollen wir die Runde aber natürlich bestmöglich abschließen. Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen aus den verbleibenden sechs Partien so viele Siege wie möglich mitnehmen.

Wie stehen deiner Meinung nach die Chancen für das Auswärtsspiel in Estland und das Spiel gegen Israel in Leipzig?
Ich denke wir gehen schon als der kleine Favorit in beide Spiele rein. Trotzdem sollten wir die Gegner nicht unterschätzen. Das Spiel in Estland wird sicherlich nicht einfach und dass wir die Israelis nicht unterschätzen sollten, wissen wir nicht erst seit der EM im letzten Jahr. Von daher müssen wir, wie in den Spielen zuvor, voll konzentriert an die Sache herangehen, um Erfolg zu haben.

In deiner Nationalmannschaftskarriere hast du bereits unter mehreren Trainern gespielt. Was ist das Besondere an Coach Henrik Rödl?
Ich denke Henrik macht einen extrem guten Job. Er fordert zwar eine hohe Intensität im Training, besitzt aber trotzdem die gewisse Lockerheit gegenüber uns Spielern. Er weiß mittlerweile auch, wie viele Jahre wir schon dabei sind und was von uns zu erwarten ist. Er ist keiner, der uns kaputt trainiert oder die übertriebene Ansprüche an uns hat. Er hat ein außerordentlich gutes Verhältnis zu jedem Spieler und unter ihm herrscht ein sehr gutes Klima in der Nationalmannschaft. So macht es extrem viel Spaß, für Deutschland zu spielen.

In der nächsten Saison spielen aller Voraussicht nach sieben Deutsche in der NBA. So viele wie noch nie zuvor. Was sagst du zu dieser Entwicklung?
Diese Entwicklung ist natürlich ein ungemein positiver Schritt für den deutschen Basketball. Außerdem konnte man diesen Sommer beobachten, wie erfolgreich die deutschen Jugendnationalmannschaften bei internationalen Turnieren abgeschnitten haben. Ein weiteres Indiz für die positive Entwicklung des Sports. Es ist ein schönes Zeichen, wenn mehr und mehr deutsche Spieler es schaffen, den Schritt in die NBA zu gehen.

Warum sollte man sich unbedingt noch Karten für den VTG Supercup in Hamburg und das Spiel in Leipzig gegen Israel kaufen?
Weil wir momentan einen sehr erfolgreichen Basketball spielen. Außerdem sind wir natürlich immer froh, wenn wir viel Unterstützung von den deutschen Fans bekommen und wenn der deutsche Basketball mehr Zuspruch bekommt, um sich auch zu zeigen. Ich finde der Basketball, den wir momentan spielen, mit vielen jungen Spielern und natürlich dem Aushängeschild Dennis ist sehr schön anzuschauen. Jeder, der das noch nicht getan hat, sollte vorbeikommen.

Karsten, vielen Dank für das Gespräch. (DBB)